Hotel „Stadt Kiel“ – Kulturhochburg oder Groschengrab?

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Der Kulturverein Probstei aus dem Schönberger Hotel „Hotel Stadt Kiel“ ein Kulturzentrum und Bürgerhaus machen. Foto Kay-Christian Heine

 

Das in Teilen denkmalgeschützte Hotel „Stadt Kiel“ am Marktplatz des Ostseebads Schönberg steht seit Jahren leer. Jetzt setzt sich der Kulturverein Probstei für seinen Erhalt als Kulturzentrum und Bürgerhaus ein. Ein Runder Tisch, zu dem der Verein vergangenen Mittwoch in die Schönberger Jugendherberge geladen hatte, zeigte: Mit dieser Idee findet der Verein nicht nur Freunde.

Gut 80 Menschen – Vertreter aus Vereinen und Verbänden ebenso wie Privatleute – folgten der Einladung des Kulturvereins Probstei an den Runden Tisch. Sie alle wollten mehr über den Wunsch der Vereinsmitglieder erfahren, das altehrwürdige Hotel „Stadt Kiel“ nicht nur zu erhalten, sondern in ein lebendiges Kultur- und Bürgerzentrum zu verwandeln. Die 1. Vereinsvorsitzende Marlen Haase und ihr Vorstandskollege Dr. Rüdiger Penthin legten gleich einen ganzen Katalog von Ideen dafür vor: Kulturelle Veranstaltungen mit Konzerten, Theater, Literaturlesungen und Ausstellungen, Ateliers auf Zeit, Kunst-Workshops auch für Touristen, die Öffnung des Hauses für andere Vereine und die Schaffung von Begegnungsräumen für Bürger, Kinder und Jugendliche gehören dazu. Vieles mehr sei denk- und vor allem auch realisierbar, wie vergleichbare Projekte andernorts zeigten. Voraussetzung dafür sei der gemeinsame Wille von Verein, Bürgern und Kommune zur Umsetzung und fördergeldgestützten Finanzierung.

Zudem gehöre das Haus mit denkmalgeschützten Sälen und Fassade zum „kulturhistorischen Erbe“ Schönbergs und sei allein deshalb erhaltenswert. Ein Verkauf als Spekulationsobjekt an Investoren mit unklaren Absichten sei unbedingt zu vermeiden. Das aber drohe, wenn die Gemeinde nicht selbst das Haus erwerbe. Das Ende langjähriger juristischer Auseinandersetzungen, die eben dies bislang verhindert hatten, sei nun absehbar.

Zwar gefielen die Ideen des Kulturvereins zur Zukunft des „Stadt Kiel“ beinahe einhellig allen Gästen des Runden Tisches. Indes machte vielen die Finanzierung Kopfschmerzen: Die Sanierungs- und Betriebskosten seien keinesfalls geklärt und die Befürchtung, das Hotel könne sich ohne konkrete und gesicherte Zahlen für die Gemeinde als Fass ohne Boden erweisen, teilten viele – allen voran Knut Lindau für die örtlichen Geschäftsleute als Vorsitzender des Schönberger Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins sowie Gerd Wilkens, der als Chef der Plöner Sektion des Schleswig-Holsteinischen Hotel- und Gaststättenverbands das Wort für die hiesigen Gastronomen führte. Beide trieb auch die Sorge um, eine eventuell im Kulturzentrum anzusiedelnde Gastronomie könne steuerfinanziert und deshalb wettbewerbsverzerrend den etablierten Gastronomen Konkurrenz machen. Das aber, versicherte Marlen Haase, wolle der Kulturverein nicht.

Schönbergs Bürgermeister Peter A. Kokocinski schließlich zeigte Wege auf, wie erhebliche Gelder aus der Städtebauförderung es der Gemeinde ermöglichen könnten, das Gebäude zunächst zu erwerben, um den Kauf durch Spekulanten zu verhindern. Danach könne geprüft und vor allem konkret gerechnet werden, wie weiter mit dem „Stadt Kiel“ verfahren werden könne. Das wolle man nun in den zuständigen gemeindlichen Gremien beraten.

Kay-Christian Heine