Ein Bechstein für die Probstei

Festliche Stimmung: Hotelinhaber Michael Pedersen (stehend von links), die Vereinsvorstände Erika Beckmann-Vorberg, Marlen Haase und Helma Tams freuen sich mit Rüdiger Penthin (sitzend, links) und seinem Vater Horstdiether Penthin über den Bechstein-Konzertflügel. Foto Kay-Christian Heine

Mit der Umsetzung ihres satzungsgemäßen Ziels, die kulturelle Vielfalt in der Probstei zu fördern und als Vermittler von Kunst und Kultur eine wichtige Rolle in der Region zu spielen, ist der Kulturverein Probstei einen großen Schritt weitergekommen: Seit vorgestern hat ein Konzertflügel aus dem Hause Bechstein als Dauerleihgabe an den Verein im Großen Saal des Schönberger „Hotels am Rathaus“ ein neues Zuhause gefunden. Die Vereinsmitglieder und Hotelinhaber Michael Pedersen glauben nun, ganz neue Möglichkeiten bei der Ausrichtung von Musikveranstaltungen zu haben. „Viele Agenturen sind immer mal wieder auf der Suche nach kleinen, Spielorten, die den Künstlern intensiven Kontakt zum Publikum ermöglichen“, weiß Pedersen. Mit einem Konzertflügel der Spitzenklasse in seinem Saal ist er sich sicher, künftig viele Agenturen von Schönberg überzeugen zu können.

Konzertflügel als Dauerleihgabe an den Kulturverein Probstei

Als Rüdiger Penthin den schwarz schimmernden Bechstein-Konzertflügel am Mittwoch im Großen Saal des Schönberger „Hotels am Rathaus“ zur Probe spielte, lag ein zufriedenes Lächeln auf seinem Gesicht. Der Klang war einwandfrei, die Akustik unter dem hölzernen Deckengewölbe überzeugend. Auch Hotelinhaber Michael Pedersen zeigte sich überaus erfreut. Denn das im Jahr 1906 gebaute, vollständig restaurierte Instrument hat als Dauerleihgabe an den Kulturverein Probstei in seinem Traditionshaus ein neues Zuhause gefunden.

Rüdiger Penthin dürfte vielen kulturell interessierten Probsteiern als Konzert-Pianist und Mitveranstalter des „Schönberg Talks“ an der Seite von Altbürgermeister Wilfried Zurstraßen gut bekannt sein. Als er vorgestern im Kreis von Michael Pedersen, den übrigen Vereinsvorständen, Wilfried Zurstraßen, Gästen, Pressevertretern und seinem Vater Horstdiether Penthien im Namen des Vereins den Flügel seiner Bestimmung übergab, war die Stimmung festlich.

Der Konzertflügel aus dem Hause Bechstein habe jahrzehntelang in einer Villa im bayerischen Starnberg gestanden, erzählte Rüdiger Penthin. Ein Klavierbauer habe ihn schließlich aufgekauft und komplett restauriert: Im Inneren seien neben anderen Reparaturen Saiten, Hammerköpfe und Stimmstock erneuert, der Resonanzboden neu gewölbt und das gesamte Instrument gründlich gereinigt worden, zählte Penthin auf. Auch äußerlich glänzt das Instrument im tiefschwarzen Schellack nun wie neu. Im Januar hatte sein 92-jähriger Vater Horstdiether Penthin den Flügel erworben und als Dauerleihgabe dem Kulturverein Probstei versprochen.

Doch wie kam es dazu? Die Idee gehe auf Rüdiger Penthin zurück, verriet Vereinsvorsitzende Marlen Haase: „Als wir nach der Vereinsgründung im vergangenen Herbst über das Hotel am Rathaus als Veranstaltungsort nachdachten, bemerkte Rüdiger, dass diesem schönen Saal eigentlich nur ein Konzertflügel fehle“, erinnerte sie sich. Also machte sich Penthin auf die Suche und wurde in der polnischen Werkstatt eines deutschen Klavierbauers fündig.

Als sein Vater Horstdiether davon hörte, habe er nicht lange gezögert: „Ich mache seit 26 Jahren regelmäßig Urlaub bei meinem Sohn in Schönberg und bin vor vier Jahren aus Frechen bei Köln nach Preetz gezogen“, verriet er. Dabei habe er das Schönberger Kulturprogramm immer als etwas Besonderes wahrgenommen, dass er mit der Leihgabe des Instruments nun habe fördern wollen.

Während Marlen Haase dem Senior versicherte, dass der Flügel beim Verein in „guter Obhut“ sei, sieht Michael Pedersen nun musikalischen Veranstaltungen entgegen, die ohne das Instrument kaum möglich wären: Er habe Kontakte zu Künstleragenturen, die bei Tourneeplanungen in Schleswig-Holstein immer auch auf der Suche nach kleinen Veranstaltungsorten seien. Solchen Anfragen könne er nun gerecht werden. „Diese Leihgabe bedeutet deshalb kulturell viel für das Haus, für Schönberg und den Verein“, resümierte er.

Zum Jahreswechsel hatte der Kulturverein Probstei nach Angaben aus Vorstandskreisen bereits mehr als 40 Mitglieder. Am 10. März will sich der Verein mit einem bunten Kulturnachmittag im Großen Saal des Hotels am Rathaus den Probsteiern präsentieren. Der Konzertflügel wird dabei sicher eine tonangebende Rolle spielen.

Kay-Christian Heine

„Möchte die Kultur in Schönberg fördern“: Der 92-jährige Horstdiether Penthin (links) mit seinem Sohn Rüdiger Penthin am Bechstein-Flügel, den er als Dauerleihgabe dem Kulturverein Probstei übergeben hat. Foto Kay-Christian Heine